Umwelt-Magazin bei der Tagesschau!
Wir als Umwelt-Magazin hatten lange Zeit ein grundsätzliches Problem. Wir wussten nicht, wohin mit gewonnenem Geld. Fast 6.000 Euro haben wir, aber keines unserer Projekte kostet uns irgendetwas. Gespräche und Interviews führen wir – so, wie es üblich ist – ohne eine Bezahlung. Designs zu erstellen und Artikel zu veröffentlichen ist ebenfalls kostenlos realisierbar. AG-Fahrten, die keinen direkten wohltätigen Zweck verfolgen, wurden von uns als Privatpersonen finanziert. Andere Fahrtkosten wurden von Veranstaltern übernommen. Lediglich für unsere Website-Domain müssen wir alle drei Monate einen äußerst geringen Betrag bezahlen. Also haben wir uns zusammengesetzt und gegrübelt, was wir denn bloß mit unserem Geld machen können.

André Schünke
Einen Stadtbaum – ein Baum, der zum Beispiel an Straßenrändern zu finden sind – wollten wir pflanzen lassen, doch leider haben wir zu wenig Geld dafür. Neben einer Idee, die noch nicht ganz spruchreif ist, blieb uns also nur noch der Gedanke, dass wir in unsere Arbeit investieren. Wir wollten professioneller werden, bessere Interviews führen, besser recherchieren. Alle Workshops, die zu uns passten, waren vorsichtig formuliert recht kostspielig. Welcher Workshop am besten ist, trauten wir uns nicht zu entscheiden zu, weshalb wir einem Journalisten schrieben: André Schünke. Der Tagesschau-Sprecher hatte uns eine Videobotschaft für unsere Aktion „Wir alle für Klimaschutz jetzt“ gesendet. Mit ihm waren wir schon längere Zeit in Kontakt.
In unser Nachricht fragten wir, ob er eine Idee für einen guten Workshop habe und er schrieb „Da kriegen wir bestimmt was hin!“ Ohne, dass wir darum gebeten haben, kamen in den nächsten Tagen genauere Vorschläge, die ein Treffen mit ihm im NDR umfassten. Zwei Monate später schrieb er uns, er überlege gerade, ob eine Führung durch die Tagesschau-Gebäude schön für uns wäre. Es wäre unfassbar schön für uns.
Geplant wurden schließlich:
- Führung durch NDRinfo
- Kurzer Workshop über Fake News
- Workshop über Interviews
- Essen in der NDR-Kantine
- Führung durch den Tagesschau-Komplex
Wir haben mit André die Themen abgesprochen, um dann am 2. Oktober aufgeregt im Hugh-Greene-Weg 1 beim NDR Hamburg anzukommen. Die Veranstaltung war tatsächlich kostenlos. Sogar eine Tagesschau-Redakteurin wurde für den Themenbereich „Artikel“ hinzugeholt. Aus zeitlichen Gründen war es aber dann doch nicht möglich, dass sie kommt. Wir hatten die Workshops ein wenig überzogen.

NDRinfo
Bei NDRinfo angekommen, wurden wir von einer Mitarbeiterin von NDRinfo und André Schünke durch die Redaktion und die Aufnahmeräume geführt. Man arbeitet dort in Schichten. Seit Trump wieder Präsident ist, ist die morgendliche Schicht am arbeitsintensivsten. Es kommen täglich viele Nachrichten aus den USA, über die wegen der Zeitverschiebung morgens berichtet wird. Gleichzeitig muss abgewogen werden, über was man berichtet und über was eher nicht, weil Trump häufig taktisch Schlagzeilen produziert. Auch wurde uns erklärt, dass man sich beim NDR bemüht, Phänomene mit Worten zu betiteln, die möglichst sachlich die Phänomene beschreiben. Man vermeidet zunehmend Begriffe wie „Klimawandel“ oder „Klimakrise“, sondern nutzt den Begriff „Erderwärmung“, weil er weitestgehend selbsterklärend ist.
Journalist*innen, die in der Redaktion von NDRinfo arbeiten, arbeiten an verschiedenen Aufgaben. Es gibt natürlich Menschen, die Texte verfassen, aber es gibt auch ein Factchecking-Team, das nur dafür da ist, alle Informationen, über die berichtet wird, auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wieder andere sortieren die Nachrichten der großen Nachrichtenagenturen wie Reuters oder dpa und überlegen sich, über welche der Schlagzeilen berichtet werden sollte.
Unten, im Außenbereich des NDRs angekommen, wurden wir auf einen Bunker hingewiesen. Im Kriegsfall könnte von dort gesendet werden. Dann würde auch das Radioprogramm des meistgehörten Radiosenders auf allen Sendern gespielt werden. So wird bereits Nachts verfahren, wenn die vom NDR produzierte „ARD-Radionacht“ auf vielen ARD-Radiowellen zu hören ist.
Dann sind wir in einen weiteren Gebäudekomplex gegangen. Es gab Drehtüren und nur wenige waren aus Sicherheitsgründen auch für uns passierbar, weshalb wir einige Umwege gehen mussten. Wir durften in einen Raum gehen, über den uns von André Schünkes Kolleg*innen erzählt wurde, noch nicht viele seien dort gewesen. Es ist ein länglicher Raum. Auf der einen Seite befindet sich eine riesige Fensterscheibe. Guckt man durch sie durch, sieht man das berühmte Tagesschau-Studio von oben. Michael Paweletz stand dort und eine Sendung wurde geprobt. Wir waren zutiefst beeindruckt.
Workshop
Danach hat André Schünke uns über Fake News informiert und ein Video gezeigt, in dem er selbst Opfer einer KI-generierten Werbekampagne für Kryptowährungen wurde. Er hat uns einen sehr spannenden Vortrag über Interviewführung gehalten. Wir haben fleißig mitgeschrieben. Ein kleiner Tipp, der uns besonders gefallen hat, war das „freundliche ‚Hä‘“: Wenn jemand sich herausredet, man etwas nicht versteht oder sehr verklausuliert gesprochen wird, sage man „Inwiefern?“. Sehr viele unserer Fragen wurden beantwortet, wir haben viele wertvolle Hinweise bekommen. Mehr über den Inhalt wollen wir nicht schreiben, weil André mit angehenden Journalist*innen über solche Themen auch spricht. Auf jeden Fall hat sich durch die vielen Fragen das Programm ein wenig verschoben, sodass das geplante Gespräch über Artikel nicht mehr stattfinden konnte und wir zur Mensa des NDRs eilen mussten. Auf dem Weg zur Mensa – das Essen schmeckte übrigens sehr gut – wurde uns erklärt, dass dort (das Auto von Susanne Daubner samt) Susanne Daubner stünde. Wir gingen in dem Moment an einer Hecke vorbei. Es muss etwas komisch ausgesehen haben, wie wir über der Hecke lugten…
Tagesschau
Letzter Programmpunkt des Tages: Besuch des Tagesschau-Komplexes. In diesem Bereich finden normalerweise keine Führungen statt. Zuerst ging es durch den Newsroom von ARDaktuell, wie die Nachrichtenredaktion der Tagesschau offiziell heißt. Im großen Newsroom mussten wir sehr leise sein, da in nicht mal mehr einer Stunde die 20-Uhr-Tagesschau gesendet werden würde und die Sendung vorbereitet werden musste. Wir durften in das Studio für Tagesschau24 gehen, dort den Telepromter ausprobieren, indem wir das entsprechende Pedal mit dem Fuß betätigten. Dann sahen wir die Tür zum Tagesschau-Studio der ARD. Ein wenig andächtig standen wir davor und plötzlich sagte jemand hinter mir „Moin“. Wir drehten uns um. Hinter uns stand Susanne Daubner. Heldenhaft fragte André Schünke, ob wir mit ihr ein Foto machen dürften. Sie sagte zu, müsse sich aber noch kurz für die Sendung fertig vorbereiten. Deshalb haben wir vorerst die Maske besucht und mit der Maskenbildnerin, die die „wichtigste Person hier“ sei (André Schünke), sprechen können. Es klopfte an der Tür und Frau Daubner war bereit für ein Foto. Es sei hier so dunkel, sagte André Schünke und wollte vorschlagen, das Foto in einem helleren Raum zu machen. Susanne Daubner aber schlug vor, ins Tagesschau-Studio zu gehen. Das haben wir dann auch gemacht. Für uns war das unfassbar. Wir haben uns so gefreut! Im Vorfeld wurde uns erzählt, es dürfe so gut wie keiner in das Studio gehen, da man vorher eine Sicherheitseinweisung brauche. Die Kameraarme seien recht schwer und können jeden Ort erreichen im Studio. Nur zwischen den beiden Pulten – Wenn man sich dort hinhocke sei man sicher. (Gut exemplarisch zu sehen ist das übrigens in diesem Video von Verstehen Sie Spaß?). Auf dem Rückweg durch den Newsroom ist dann noch Julia-Niharika Sen, ein anderes Mal Felix Edeha an uns vorbeigelaufen. Außerdem haben wir alle Autogramme von André Schünke bekommen, was uns riesig gefreut hat.

Anschließend, nach fast vier Stunden Besuch, mussten wir leider los. Das war so ein schöner Ausflug. Wir haben ganz viel mitgenommen, Neues gelernt, Taktiken in Interviews und Taktiken für die Vorbereitung kennengelernt und sind unglaublich dankbar für dieses Privileg, so etwas kostenlos angeboten zu bekommen. André, du hast das so unfassbar nett und aufwendig organisiert und wir hoffen, wir halten Kontakt! Vielen Dank!
















