,

Stickern oder kleben?

„Die Emissionen steigen, wir können nicht mehr warten, es ist jetzt oder nie“, rief eine der beteiligten Mütter bei unserer Auftakt-Aktion im Mai 2022. Es war der Tag der Hauptversammlung der Deutschen Bank und wir – fünf Mütter – klebten an den Eingangstüren einer Berliner Deutschen Bank Filiale namens „Quartier Zukunft“.


Meinung

Bitte beachtet, da es sich in diesem Artikel um ein sehr emotional geführtes Thema dreht, mehr denn je, dass dies ein Kommentar ist. Wir, das Umwelt-Magazin, wollen die Themen Umwelt und Klima möglichst umfassend und vielseitig betrachten und lassen jede Person zu Wort kommen, deren Meinungen und ihr Verhalten (in Bezug auf das Themengebiet Klima und Umwelt) wissenschaftlich begründbar sind. Wir vom Umwelt-Magazin haben den Artikel nicht geschrieben.

Deutsche Bank & die Gründung von Eltern gegen die Fossilindustrie

Anders als es der Name sowie die Innenausstattung der Filiale mit Erlebnisausstellungen zum Thema Nachhaltigkeit vermuten lassen, finanziert die Deutsche Bank immer noch mit Milliardenbeträgen Geschäfte mit fossilen Brennstoffen. Auf diesen Missstand und die fehlende Regulierung von Privatbanken seitens der Politik und der Europäischen Zentralbank wollten wir mit unserer Aktion aufmerksam machen.

Wir kannten uns alle schon länger, hatten zusammen demonstriert, Mahnwachen organisiert und mit Abgeordneten gesprochen. Gemeinsam hatten wir die frustrierende Erfahrung gemacht, dass sich trotz eindringlicher Warnungen der damals aktuellen Teilberichte des IPCC viel zu wenig tat in puncto Klimaschutz. In dieser dramatischen Situation, in der die ökologischen Krisen sich immer stärker zuspitzen, hielten wir entschiedeneren Protest für angemessen.

Eltern: mehrfach durch die Klimakrise betroffen

Als Eltern sind wir von dem klimapolitischen Versagen mehrfach betroffen: Wir sorgen uns um das Leben und die Zukunft unserer und aller Kinder weltweit. Schon heute ist die Hälfte aller Kinder weltweit, nämlich eine Milliarde, durch die Auswirkungen der Klimakrise extrem stark betroffen. Die Länder, in denen Kinder besonders stark von klima- und umweltbedingten Gefahren betroffen sind, haben sehr wenig zu den weltweiten Emissionen beigetragen, z.B. der Tschad oder Nigeria. Klimaschutz ist Kinderschutz und die derzeit unzureichende Klimaschutzpolitik ist auch eine Kindeswohlgefährdung.

Außerdem müssen wir unsere Kinder in eine Welt begleiten, die so ganz anders wird, als alles, was uns vertraut ist und die uns selber häufig Angst einflößt. Die Studie „Familien in der Krise“ von 2021 belegte, dass knapp ein Drittel aller Eltern sich mittlerweile sorgen, dass ihre Kinder in einer belasteten Umwelt aufwachsen. Auch gibt es Studien, dass Jugendliche weltweit von klima- und umweltbedingten Ängsten geplagt werden. Nur: Was sollen wir unseren eigenen Teenager-Kindern sagen? Dass wir ebenso fassungslos wie sie sind, dass den Profiten der fossilen Industrien Vorrang vor einem lebenswerten Planeten eingeräumt wird? Einige von uns sind auch Eltern von kleinen Kindern. Auch wir stehen durch die Klimakrise vor großen Herausforderungen: Wir müssen ihnen irgendwann die Klimakrise erklären, altersgerecht, nicht zu beschönigend, aber auch ohne sie zu sehr zu ängstigen. Für den CEO eines Fossilkonzerns mag es leicht sein, zukunftsfeindliche Entscheidungen zu treffen, als Eltern sitzen wir der Zukunft aber jeden Tag gegenüber.

Bobbycars: Kaputtes Klima – Kaputter Mensch

Wir empfinden die Gefährdung des Lebens von (jungen) Menschen als eine nicht hinnehmbare Grenzüberschreitung. Diese beantworten wir unsererseits mit Grenzüberschreitungen durch Aktionen des zivilen Ungehorsams. Diese sind kreativ und sollen Spaß machen – verkleidet als Autolobbyisten persiflierten wir mit einer fulminanten Party die Verkehrspolitik der FDP vor ihrer Parteizentrale. Mit Schneeschaufel und Schippe räumten wir Bobbycars von der gerade wieder für den Autoverkehr eröffneten Berliner Friedrichstraße, bei dieser Aktion waren wir verkleidet als der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und der Verkehrssenatorin Manja Schreiner. „Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr statt Vorfahrt für Autos“, so lautete unser Appell an die damals neue schwarz-rote Berliner Regierung.

Bobbycars sind ein immer wiederkehrendes Motiv bei unseren Aktionen; sie stehen stellvertretend für unsere Kinder. In Kooperation mit anderen Gruppen stören wir Veranstaltungen, in denen das „fossile weiter so“ propagiert, aber durch Greenwashing verschleiert wird. So waren wir beispielsweise bei Gas- und Wasserstoffkonferenzen, dem Klimakongress des BDI oder den Familienunternehmer-Tagen. Wir sind eine kleine Kerngruppe, die gemeinsam über Strategien und konkrete Aktionen entscheidet. Darüber hinaus gibt es einen Kreis von Menschen, die uns bei konkreten Aktionen unterstützen. Bisher gibt es unsere Gruppe nur in Berlin, Interessierten aus anderen Städten stehen wir gerne bei der Gründung einer weiteren Ortsgruppe helfend zur Seite.

Normale Eltern

Ganz bewusst stellen wir uns als “normale” Eltern gegen die mächtige Fossilindustrie samt ihrer Lobby – deren Einflussnahme auf Politik, Medien, Finanzwesen und Gesellschaft wird oftmals unterschätzt, wir müssen aber diese Macht eingrenzen, sollen unsere Kinder eine Chance auf ein gutes zukünftiges Leben haben.

Unser Ziel ist Klimaschutz, der sich am physikalisch Notwendigen orientiert. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist unserer Meinung nach eine demokratische Gesellschaft, die sich dem Rechtsruck widersetzt. In dieser sollten die Interessen von jungen Menschen stärker berücksichtigt werden, auch wenn sie (noch) nicht wählen können. Sie müssen die Möglichkeit haben, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten, ohne dass ihnen zu viel Verantwortung aufgebürdet wird. Und wir finden: Als Eltern müssen wir unseren Kindern auch mal Grenzen setzen. Da sollte es doch auch der Politik gelingen, fossilen Industrien und Banken, die die gesamte Menschheit massiv schädigen, Grenzen zu setzen.

Quellen

AUTORIN: Petra Nielsen von parents riseup

Benachrichtige mich
guest
0 Kommentare
alle Kommentare ansehen