Nachhaltiger Umgang mit Medien

Digitalisierung wird heutzutage kaum mehr kritisch hinterfragt und weltweit wachsen die Tech-Giganten immer mehr. Es entstehen Dienste wie ChatGPT und es gibt seit einiger Zeit das Modell der “Tablet-Klassen”. Viele argumentieren bei dem Thema Digitalisierung auch mit der energiefressenden Produktion von Papier. Doch wie nachhaltig ist “Digitalisierung” wirklich und wie könnt ihr mit ihren Möglichkeiten besser umgehen?

Vorab ein kurzer Denkanstoß, um das Gesamtproblem zu verstehen:

Ist es nachhaltiger, ein Textdokument digital zu lesen oder auf Papier stehen zu haben und zu lesen? Während dem Lesen auf dem Computer wird durchgehend CO₂ ausgestoßen und Energie verbraucht, bei Papier nicht. Zusätzlich werden durch die Herstellung des Computers viele andere Ressourcen verwendet. Dafür ist die Papierherstellung sehr umweltschädlich und verbraucht viel Energie.

Digital ist nicht gleich nachhaltig!

Was von beidem besser ist, kommt auf die Situation an. Schauen wir uns das mal anhand einer Zeitung an.

Zeitung

Wenn ihr weniger als eine halbe Stunde am Tag Zeitung lest und euch lieber Überschriften anschaut, wäre es nachhaltiger, das online zu erledigen. Wer aber lieber Artikel und Berichte liest und über 30 Minuten am Tag in der Zeitung blättert, sollte das auch weiterhin tun, denn beim Lesen einer gedruckten Zeitung werden nicht weiter Emissionen ausgestoßen.

Nicht wenige Menschen suchen nach den wichtigsten Nachrichten des Tages mit einer Suchmaschine, klar. Die meisten von ihnen wissen wahrscheinlich nicht, dass es auch bei der Suchmaschine einige Möglichkeiten gibt, nachhaltiger zu handeln.

Mehr als eine halbe Stunde Zeitung lesen ist besser, als mehr als eine halbe Stunde Online-Nachrichten lesen

Suchmaschine

Ecosia – Die ökologische Suchmaschine
Interview mit Eco-so-lo-Gründer

Die bekannteste Suchmaschine ist wohl Google. Über 90 Prozent der Deutschen nutzen Google. Nachhaltig ist der Konzern aber nicht unbedingt: 510,49kg CO₂ werden sekündlich ausgestoßen – 23 Bäume müssten pro Sekunde Auf-Google-Sein gepflanzt werden. Google unterstützt außerdem mehrere Gruppen, die sich dafür einsetzen zu verbreiten, dass die Klimakrise als nicht belegt gilt. Es gab zahlreiche Fälle, bei denen vermeintliche Wissenschaftler*innen im US-Fernsehen die Klimakrise leugneten.

Die Unterstützung folgender Institute ist unter anderem bekannt geworden:

  • Cato Institute
  • Competitive Enterprise Institute (CEI)
  • U.S. Chamber of Commerce

Das U.S. Chamber of Commerce unterstützt übrigens öffentlich Donald Trump, woraufhin Apple bei dieser sogenannten Denkfabrik ausgetreten ist.


Joana Moll ist eine Forscherin und Künstlerin aus Barcelona und hat einige Projekte zum Thema Energieverbauch und Umweltschädlichkeit von Internet gemacht – u. A.: Wie viel CO₂ stößt Auf-Google-Sein aus? Dort wird angezeigt, wieviel CO₂ man verbuchen würde, wenn die Website Google wäre. Auf der Projektseite von “DEFOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOREST” wird gezeigt, wieviele Bäume pro Zeit gepflanzt werden müssten, um die Umweltschäden von Google wieder “gutzumachen”. Ein weiteres Projekt, “The Hidden Life of an Amazon User” verdeutlicht auf umgerechnet fast 9.000 DIN-A4-Seiten, was im Hintergrund passiert, wenn man auf Amazon nach einem Buch von Jeff Bezos sucht.


Ecosia ist so eher nicht. Durch Baumpflanzungen und die Unterstützung von Solaranlagen ist Ecosia klimapositiv. Ihre Einnahmen und Ausgaben werden hier auf ihrer Website veröffentlicht und sind also sehr transparent. Ein Großteil ihrer Einnahmen werden an mal größere, mal kleinere Baumpflanzorganisationen aus vielen Ländern weitergereicht. Hier ein Überblick von Ecosia über aktuelle Partnerorganisationen in den Ländern. Das “Baumpflanz-Team” von Ecosia schaut manchmal bei den Pflanzorten vorbei, um über den Stand der Dinge informiert zu werden, also darüber,wie viele Bäume gepflanzt wurden. Es wird außerdem streng darauf geachtet, dass keine Monukulturen entstehen, sondern die Bäume richtig gepflanzt werden. Bei FridaysForFuture ist das Ecosia-Team auch manchmal als Redner zu Gast und der Gründer von Ecosia hat sich enteignet und mit Hilfe der Purpose-Stiftung dafür gesorgt, dass es auch rechtlich unmöglich ist, den Unternehmens-zielen nicht mehr treu zu sein. Übrigens: Ecosia nutzt die Suchalgorythmen von Microsoft Bing. Wenn ihr mal etwas nicht finden solltet, könnt ihr “#g” eingeben, dann werdet ihr zu Google weitergeleitet. Einige Konzerne wie RWE markiert Ecosia übrigens mit einem schmutzigen Kohlekraftwerk und andere dagegen mit einem grünen Blatt. Große Unternehmen wie Netflix, Amazon, Twitter oder Meta werden in Zusammenarbeit mit der TU Berlin auf ihre Nachhaltigkeitsberichte hin bewertet. Die jeweilige Note (A-F) steht klein neben dem Suchergebnis. Schaut euch gerne mal die Youtube-Videos (Eng.) von Ecosia an oder durchstöbert deren Blog, um weitere Informationen zu erhalten.

Es ist keine Suchmaschine wie Ecosia, Google oder Bing, sondern eine, die ausschließlich nachhaltige Alternativen anzeigt: Eco-so-lo. Dort können sich Unternehmen eintragen oder werden eingetragen, die nachhaltiger sind als andere. Anhand von drei Kritikerien werden sie bewertet: Ökologie, wie sozial das Unternehmen agiert und Lokalität. In einem Interview haben wir mit dem Gründer von Eco-so-lo, Roland Stiegler, gesprochen. Schaut mal rein!

Probiert doch mal aus, ob Ecosia und Eco-so-lo eine Alternative sind!

Streaming

Ergebnisse einer Studie von Greenpeace, A ist sehr gut, F sehr schlecht.

Musikdienst Note Videodienst Note
iTunes A YouTube A
Spotify D Amazon Prime C
Soundcloud F Netflix D

 

 

Wenn ihr die Möglichkeit habt, wechselt doch auf iTunes beziehungsweise YouTube. Doch das heißt ausdrücklich nicht, dass ihr jetzt immer Musikvideos anschauen, statt -audios hören sollt, weil scheinbar die Videodienste im Durchschnitt besser sind. Denn: Ein Musikvideo zu hören, ist so schädlich für die Umwelt, wie den gleichen Song 33 Mal als Audio zu hören! Insgesamt verbrauchen Videodienste mit 300 Millionen Tonnen CO₂e so viele Emissionen wie Spanien in der gleichen Zeit.

Verwendet eher Audio als Video!

Diese Zahlen sind jetzt einige von vielen; das Ganze variiert extrem. Ein Glasfaseranschluss sorgt für gerade Mal zwei Gramm CO₂e, 3G dagegen für 90 Gramm. Und auch die Qualität des Videos kann sehr viel ausmachen. Während vier Stunden HD-Qualität pro Tag einen durchschnittlichen CO₂e-Ausstoß von 53kg ergeben, verbraucht die Standardqualität (1024×576 Px) nur 2,5kg CO₂e.

Glasfaser und Standardqualität sind die beste Mischung.

Auch mit der Umweltschädlichkeit von Videos hat die Nutzung von Videokonferenzen zu tun.

Videokonferenz

Eine einstündige Videokonferenz verbraucht (variierend) 55g CO₂e. Das ist so viel, als würdet ihr 260 Meter Auto fahren.

Solltet ihr 15 Videokonferenzen in der Woche besuchen und wäre das jetzt auf einen Monat berechnet, würdet ihr 9,4kg CO₂e ausstoßen.

Solltet ihr 15 Videokonferenzen, alle ohne Kamera, in der Woche besuchen und wäre das jetzt auf einen Monat berechnet, würdet ihr gerade mal 377g CO₂e erzeugen!

Wenn nicht unbedingt nötig, die Kamera ausstellen!

Crewdle ist ein nachhaltigerer Videokonferenz-Anbieter aus Kanada. Durch ein sogenanntes Peer-to-Peer-System wird es ermöglicht, keine Server zu nutzen; dadurch ist Crewdle besonders umweltschonend. Server verbauchen viel Energie, geben unfassbar viel Wärme ab. Sie sind der Hauptgrund für die Umweltschädlichkeit von Websites.

Eine einstündige Videokonferenz verbraucht (var.) 55g CO₂, aber bei Crewdle nicht: Es wurden laut Crewdle (bis zum 4.10.2022) 45,555kg CO₂e, 41,414 Liter Wasser und 64,191kWh Strom gespart.

Nachhaltige Videokonferenz – Ist das möglich?

Cloud

Glaubt man der IT-Branche, stehen wir noch am Anfang der Cloud-Entwicklung. Pro Terrabyte Daten, die ein Jahr in der Cloud gespeichert werden können, werden 105-153kg CO₂ ausgestoßen. Externe Festplatten sind viel nachhaltiger als Cloudlösungen.

Nutzt, wenn möglich, externe Festplatten statt Clouds

Stand-By

Schaltet Geräte auf Stand-By. Ihr spart bei fünf Geräten mit 10 Watt Stand-By-Leistung jährlich 100 Euro und 220kg CO₂ ein!

Bildschirmhelligkeit

Euren Energieverbrauch könnt ihr auch senken, indem ihr die Helligkeit eurer Geräte herunterschaltet.

Handykauf

Kauft nicht jedes Jahr neue Handys. 60 Prozent der 122 Megatonnen CO₂, die ein Handy ausstößt, gehen auf die Produktion!

Akku

Ladet Akkus nur bis auf 80 Prozent auf und informiert euch über Apps, die das kontrollieren können! Durch ein 100prozentiges Aufladen verkürzt sich die Lebenszeit der Akkus erheblich.

Email

Eine Email verursacht um die 10g CO₂ – ungefähr so viel wie eine Plastiktüte. Es gibt einige Anbieter, die auf Nachhaltigkeit setzen. Schaut euch dazu gerne den Artikel auf utopia.de an. Dort werden unter anderem Posteo, Mailbox und Tutanota (nutzen wir übrigens) empfohlen.

Perpektive

Nicht wenige Zahlen und Studien kommen aus den Jahren 2010 – 2018. Man könnte meinen, die Zahlen wären nicht mehr aktuell, weil die IT-Branche effizienter und nachhaltiger geworden ist. Das stimmt nicht. Von Jahr zu Jahr wird das Internet größer und die neuen Technologien überschlagen sich. Der Strombedarf in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt – von 5,8 auf zehn Milliarden Kilowattstunden. Wegen des dortigen Internetknotenpunktes gibt es in Frankfurt am Main die größte Ballung von Rechenzentren. Jedes einzelne Rechenzentrum hat den Stromverbauch einer Kleinstadt. Zusammen macht der Stromverbrauch dieser Rechenzentren ein Viertel des Gesamtstromverbrauchs der Stadt aus – und bis 2025 soll der Stromverbrauch des Rhein-Main-Gebietes auf vier Milliarden Kilowattstunden jährlich steigen – viermal so viel wie im Jahr 2017.

Schaut euch bitte diese Grafik an. Sie zeigt, wieviel Strom für bestimmte Bereiche in der IT-Branche in den Jahren 2010 und 2020 nötig waren, und stehen für sich.

Mit freundlicher Genehmigung von MDR Wissen

Quellen

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