Umweltschutz ist noch ein Thema, sogar eines der wichtigsten Themen. Das haben viele bekannte Personen, die sich auskennen, bestätigt. Sie haben mitgemacht bei unserer Aktion „Wir alle für Klimaschutz jetzt!“ und bekennen sich mit ihren verschiedenen Perspektiven zu Klimaschutz – jetzt!
Uns alle hat die Stimmung im Landtag im negativen Sinne überrascht. Mehrere von uns haben sich im Nachhinein unabhängig voneinander gefragt, ob so eine Sitzung immer im Stile einer Kindergartengruppe geführt wird. Die FDP und besonders die CDU haben sich wahlweise über andere Meinungen oder gleich den gesamten Antrag lustig gemacht.
Gerade von der CDU, finden wir, ist das auch einfach nicht nett gegenüber ihrem Ministerpräsidenten, der sich auch nach unserem Interview für ein Tempolimit ausgesprochen hat. Man kann nicht einfach eine Rede halten, die ausschließlich aus einer Chronologie der Tempolimitanträge in Schleswig-Holstein besteht und sich in keinster Weise mit dem Thema an sich befasst. Es geht nicht, dass Lukas Kilian von der CDU am Ende witzelnd sagt, man habe sich vorgenommen, diesen Text für jeden zukünftigen Tempolimitantrag wiederzuverwenden. Große Teile seiner Formulierungen seien bereits aus der Rede des Jahres 2023 übernommen. Wenn sich Ministerpräsident und Innenministerin positiv gegenüber einem Tempolimits äußern, sollte die Partei das ernster nehmen und es sollte sich argumentativ damit auseinander gesetzt werden. Wenn wir als Schüler*innen dabei zusehen, sollte das Thema aus Respekt ernster genommen werden. Für uns war es auffallend, dass Herr Günther kein einziges Mal bei Witzen oder Reden schmunzeln musste. Fast die ganze Zeit saß er vor seinem Handy und hat die Reden mehr oder weniger ignoriert. Im Nachhinein haben wir uns mit Daniel Günther unterhalten. Er kam auf uns zu.
Wir haben über den folgenden Punkt nicht mit Günther gesprochen, aber indirekt mit einer anderen Person aus der CDU-Fraktion. Wir persönlich könnten uns vorstellen – ohne dass wir große Anzeichen sehen würden – , dass Günther und seine Fraktion von einem hochrangigen Bundespolitiker ermahnt wurden. Denn wir haben eine Woche vor der Sitzung mit vier CDU-Politikern gesprochen und nur einer war gegen ein Tempolimit. Wir wurden gelobt. Unser Interview habe „hohe Wellen“ geschlagen. Dieses konsequente Nicht-Argumentieren hat uns auch erstaunt – und nicht alle aus der CDU wirkten während der Sitzung begeistert von den Beiträgen gegen ein Tempolimit.
Statt Daniel Günther hat der Verkehrsminister eine Rede als Stellvertreter der Landesregierung gehalten. Warum, lässt sich natürlich spekulieren. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass Claus Ruhe Madsen Verkehrsminister ist. Madsen hat ernsthaft Folgendes gesagt und zu einem Argumente gemacht. Seine Teenager-Zeit: „Im Grunde genommen könnte man sagen: ‚Synonym für Deutschland? Autobahnen! Ein geiles Wort. Dänen lieben Autobahnen!“. Ganz ehrlich – Solche Aussagen beschämen uns. Dass man sich traut, als Verkehrsminister mit diesen Worten und mit diesem Inhalt zu argumentieren, beschämte sicherlich auch Daniel Günther. Das ist Populismus. Wo wird nachgewiesen, dass Dän*innen Autobahnen lieben? Aber geht es bei dem Thema auch wirklich nur um irgendwelche Vorlieben? Naja, Ruhe-Madsen fände es, so sagt er, gut, dass das Thema auch mit ein bisschen Humor angegangen würde. Zu den anderen Argumenten, die bei der Sitzung angeführt werden, wird es von uns noch einen Faktencheck geben. Man schließt nicht von einem Land auf alle anderen. Argumente müssen allgemeingültig sein. Man sollte nicht aneinander vorbei reden…
Wahrscheinlich müssen wir über die Rede der FDP nicht so ausführlich schreiben. Es klingt absurd, ein Tempolimit für Hochgeschwindigkeitszüge einführen zu müssen. Ist es auch.
Wir möchten uns hiermit nochmal der Fraktion des SSW, der SPD und der Grünen danken für die Unterstützung. Besonders Daniel Günther hat uns als Gruppe unglaublich weitergeholfen. Er hat angepackt und wegen Mülltrennung direkt bei der Bildungsministerin angerufen. Er hat sich bezüglich eines Tempolimits geäußert und wir empfinden jetzt irgendwie vor allem Mitleid für ihn. Wir haben jetzt innerhalb eines Monats drei Mal mit Daniel Günther gesprochen. Immer war er super nett, offen und ehrlich. Und – naja – nach den Mails, die wir wegen des Interviews mit Günther von der Staatskanzlei bekommen haben, wurde uns regelmäßig übermäßig froh zu mute. Vielen Dank für die Erfahrung! Dieses Gefühl überwiegt.
Bildquelle
Von R.Bajela – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62155056
Wir haben Pia Hahn interviewt. Sie ist Vorsitzende der Carl & Marisa Hahn-Stiftung – einer Stiftung, die sich mit Bildung, Nachhaltigkeit und sozialen Projekten befasst. Seit ein paar Jahren findet der von der Stiftung initiierte Schulwettbewerb „My school goes green“ statt, bei dem Wolfsburger Schulprojekte ausgezeichnet werden.
Eindrücke von der Auszeichnungsveranstaltung
Quelle: hahn-stiftung.org/schuelerwettbewerb
Worüber wir gesprochen haben
Das Interview haben wir in zwei Abschnitte unterteilt. Zuerst haben wir Pia Hahn, die Stiftungsvorsitzende, zu ausgewählten politischen Themen befragt, um einen groben Eindruck von ihren umweltpolitischen Ansichten zu bekommen. Dann ging es konkret um ihre Stiftung: Woran arbeitet die Hahn-Stiftung, warum engagiert Pia Hahn sich dort? Was treibt sie an?
Beim Wettbewerb „My school goes green“ waren der Wolfsburger Oberbürgermeister, der Vorsitzende von VfL Wolfsburg, eine Führungskraft von Volkswagen sowie Peter Maffay anwesend. Mit Letzterem ergibt sich gegebenenfalls ein weiteres, vertiefendes Interview über die Gründe dafür, die Schirmherrschaft des Wettbewerbs zu übernehmen. Wir hoffen es einfach mal:)
Nun aber zuallererst: Bild- und Tonqualität sind sehr schlecht. Der Ton liegt leider an einem kleinen Fehler, den wir bei der Aufnahme gemacht haben. Wie die Bildqualität ist, hängt immer von der Internetverbindung der Beteiligten ab. Trotzdem wünschen wir ganz viel Spaß beim Ansehen des Interviews!
Interview
Daniel Günther ist der schleswig-holsteinische Ministerpräsident. Wir haben ihn interviewt, weil wir uns von Zeit zu Zeit immer mehr gefragt haben, wie er mit den Widersprüchen umgeht, die zwischen seiner und der Politik der Bundes-CDU herrschen:
Widersprüche
Daniel Günther - Markus Söder
“Anstatt einfach den Mund zu halten und zu sagen, wir kämpfen für eine starke CDU. Und eine starke CSU. Markus Söder führt diese Diskussion mit sich selbst.” ~ Daniel Günther
Daniel Günther - Markus Söder
“Es ist ein kleines und schönes Land mit schöner Landschaft, wirtschaftlich enormen Problemen, finanziell hoch verschuldet [… ] Ich würde mal sagen: Um die eigenen Probleme kümmern und dann mit einer ordentlichen Bilanz bundesweit auftreten, ist okay. Ansonsten kann ich nur sagen: [Meine] Position zu den Grünen ist die mehrheitliche Position der Unionswähler.” ~ Markus Söder
Daniel Günther über das Gendern
“Bei manchen Genderdebatten stellen sich mir auch die Nackenhaare auf, aber wir müssen begreifen: Es bringt uns gar nichts, wenn wir über so einen Mist diskutieren.” “Populistisches Draufhauen” helfe der CDU nicht, “die Leute gehen nahtlos zur AfD”. “Kurs der Mitte, sprachlich sauber bleiben, keine Debatten über das Gendern und andere Nebensächlichkeiten führen – den Leuten halt keinen Scheiß erzählen.” ~ Daniel Günther, zitiert in der Süddeutschen Zeitung
Daniel Günther - Friedrich Merz
“Wir müssen diese Möglichkeit, ein [AfD-] Parteiverbot anzustreben, dann auch nutzen. Diese Auffassung teile ich mit vielen.” ~ Daniel Günther
Daniel Günther - Friedrich Merz
[AfD-Verbot:] “Das riecht mir zu sehr nach politischer Konkurrentenbeseitigung” ~ Friedrich Merz
Daniel Günther - Carsten Linnemann
“Linke und AfD kann man nicht miteinander gleichsetzen.” ~ Daniel Günther
Daniel Günther - Carsten Linnemann
“Der Unvereinbarkeitsbeschluss ist gut so, wie er ist.” ~ Carsten Linnemann
mehr Beispiele jetzt im Interview
Viel Spaß beim Ansehen!
Das Interview
Mit Daniel Günther haben wir eine halbe Stunde über Klimakrise und Umweltschutz gesprochen. Es ging um Populismus und das Einhalten der Klimaziele. Es ging um die Frage, was Friedrich Merz denn tun würde, wenn unter dem Einhalten der Klimaziele der Wohlstand des Landes gefährdet wird. Laut Merz könnte man dann nämlich die wohlstandsgefährdenden Klimaschutzmaßnahmen nicht durchführen. Wir haben Günther gefragt, ob Verbote vielleicht doch nicht immer so schlecht sind und was er eigentlich von einem Tempolimit hält. Wir haben über Superreiche und Privatjets geredet. Umweltpolitik in Schleswig-Holstein war ein großes Thema. Wir haben ihn zu Robert Habeck befragt und ihm drei Geschenke überreicht, mit denen er etwas machen soll. Wie er geantwortet hat, als wir ihm einen Tempolimitsticker, eine Ausgabe von „Der Schimmelreiter“ sowie ein überraschendes Zitat von Konrad Adenauer gegeben haben, erfahrt ihr im Interview.
Als jemand, der in einer Ölstadt im Bundesstaat Zulia in Venezuela aufgewachsen ist, bin ich es gewohnt, Ölverschmutzungen zu sehen, wo immer ich hinschaue: in der Zeitung, in den Nachrichten und sogar hinter dem Haus eines Freundes. Aber was bedeutet Öl für die Venezolaner*innen, insbesondere für die Menschen im Bundesstaat Zulia, der Region, die die größten Ölreserven des Landes besitzt und auch die größten Mengen fördert?
Hinweis: Meinung und Übersetzung
Bitte beachtet, dass dies ein Kommentar ist. Wir, das Umwelt-Magazin, wollen die Themen Umwelt und Klima möglichst umfassend und vielseitig betrachten und lassen jede Person zu Wort kommen, deren Meinungen und ihr Verhalten (in Bezug auf das Themengebiet Klima und Umwelt) wissenschaftlich begründbar sind. Dieser Artikel gibt die Meinung unserer Autorin wider. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.
Mitte der 1990er Jahre war für viele Venezolaner*innen, Öl zu haben, in der Ölindustrie zu arbeiten oder in der Nähe einer Ölpumpe zu arbeiten ein Symbol für Wohlstand. Es wurde als Quelle des Nationalstolzes und Reichtums angesehen. Heute steht es zumindest für mich für das Versagen einer Nation. Die Ölverschmutzungen in ganz Venezuela sind nicht nur Umweltkatastrophen, sie sind die direkten Folge der systemischen Korruption, der größten in der Geschichte des Landes.
Von Ölteppichen mitten im Meer, im Maracaibo-See und entlang der Küsten verschiedener Strände Venezuelas, wie beispielsweise Puerto Cabello, stellen diese Ölverschmutzungen eine erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt dar. Sie beeinträchtigen Meeres- und Landtiere sowie Menschen – besonders indigene Völker. Diese Ölverschmutzungen verursachen eine Reihe von Problemen: von Atemwegs- und Hauterkrankungen bis hin zur Kontamination von Tieren wie Schildkröten, Fischen, Rindern und Hunden. Dies schädigt das Ökosystem, da der Tod dieser Arten die Nahrungskette stört. Das Öl hat große Auswirkungen auf Gewässer. Der Maracaibo-See ist die Heimat vieler verschiedener Arten und dient vielen Menschen als Lebensgrundlage, darunter Fischern, Tourismus und Restaurants in der Nähe des Sees. Die Verschmutzung des Maracaibo-Sees wird durch Umweltfaktoren wie hohem Mineralgehalt im Wasser und massiver Algenblüte beeinflusst. Diese Algenblüten begannen vor etwa 20 Jahren nach einer Öllieferung aus den Vereinigten Staaten und haben seitdem explosionsartig zugenommen, wodurch sich das einst lebhafte blaue Wasser in ein trübes Grün verwandelt. Der Geruch ist unerträglich und das Wasser ist weder trinkbar noch sollte es berührt werden.
Wirtschaft
Diese Verschmutzung hat die lokale Fischereiindustrie zerstört. Viele Fischer, die für ihren Lebensunterhalt auf den See ihren Lebensunterhalt verdienen, haben nun Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie mussten mit ansehen, wie die Fischbestände aufgrund des verschmutzten Wassers zurückgehen. Noch schlimmer ist die Situation für Familien, die in Stelzenhäusern am Ufer leben. Diese Familien sind direkt vom See abhängig, um sich zu ernähren, mit Wasser zu versorgen und ihr Einkommen zu sichern. Doch mit der Verschlechterung der Wasserqualität des Sees gibt es zunehmende Schwierigkeiten, diese Lebensweise aufrechtzuerhalten. Ganze Gemeinden sind betroffen, ohne dass die Regierung sie bei der Bewältigung des Problems wirklich unterstützt.
Gesundheit
In der Nähe des Sees befinden sich zwei Universitäten – am Seeufer. Die Studierenden dieser Einrichtungen sind täglich der giftigen Verschmutzung ausgesetzt. Die Gesundheitsrisiken sind erheblich, und es gibt wachsende Besorgnis über die langfristigen Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden. Von Atemwegsproblemen bis hin zu Hauterkrankungen und möglichen Langzeiterkrankungen – Die Risiken sind sehr real. Dies ist nicht nur ein Problem für Fischer oder Anwohner, sondern eine Krise der öffentlichen Gesundheit, die Menschen über Generationen hinweg betrifft.

Öl-Reserven weltweit im Jahr 2013: Venezuela ist an der Spitze
Auswirkungen auf die Tierwelt
Wildtiere, insbesondere Fische, Vögel und aquatische Arten, leiden unter dem Verlust ihres Lebensraums, Vergiftungen und reduzierten Nahrungsquellen, was langfristige Folgen für die Artenvielfalt hat. Hunde, Vögel, Schildkröten und andere Tiere, die in der Region leben, erkranken häufig oder sterben, weil sie mit dem giftigen Wasser in Berührung kommen. In einigen Fällen werden Tiere gefunden, die in Ölteppichen oder in Not geraten und der kontaminierten Umgebung nicht entkommen können.
Indigene Gemeinschaften
Ich möchte auch die Rolle der indigenen Gemeinschaften in diesem Kampf hervorheben. Viele der Wayuu, Pemon und anderer indigener Gruppen, die in der Nähe des Maracaibo-Sees leben, haben eine tiefe Verbindung zu Land und Wasser. Für sie ist dieser See nicht nur eine Quelle des Lebensgrundlage, sondern Teil ihrer Kultur und Identität. Diese Gemeinschaften kämpfen seit Jahren darum, seit Jahren für den Schutz ihres angestammten Landes und ihrer Lebensweise. Ihre Stimmen müssen in der breiteren Debatte über Ölverschmutzung gehört werden.
Diese beschriebenen Ölverschmutzungen beim Maracaibo-See sind keine Einzelfälle, sondern gibt es seit Jahren. Nicht nur dort. Tatsächlich hat Venezuela eine lange Geschichte der Ölförderung, aber die Verwaltung dieser Industrie ist von Ineffizienz und mangelnder Rechenschaftspflicht geprägt. Die Verschmutzungen treten regelmäßig auf, und obwohl einige vorübergehend behoben werden konnten, verschwindet das Problem nie wirklich. Und jede neue Verschmutzung, die hinzu kommt, verschlimmert die ohnehin schon schlechte Situation. Die Verschmutzungen werden noch lange eine schmerzhafte Erinnerung an die Misswirtschaft des Landes mit seinen Ressourcen und die durch systemische Korruption verursachten Umweltschäden sein. Sie beeinträchtigen nicht nur die Ökosysteme und die Tierwelt, sondern auch die Gesundheit, die Lebensgrundlagen und die kulturelle Identität ganzer Gemeinden. Da Venezuela mit den Folgen seiner Ölabhängigkeit zu kämpfen hat, besteht ein dringender Bedarf an Rechenschaft, Umweltschutzpolitiken und Investitionen in alternative Energiequellen.
Doch trotz der Herausforderungen und der Schatten des Öls bleibt Venezuela ein Land mit großem Potenzial. Dieses Potenzial wird aber durch die anhaltende politische und wirtschaftliche Krise reduziert.
Bildquelle
- Titelbild: By Fernando Flores from Caracas, Venezuela – Catatumbo Lightning | Rayo del Catatumbo, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51023191
Mit drei Jahren beginnt er mit dem Klavierspielen. Mit sechs Jahren spielt er mit dem Philharmonischen Orchester seiner Heimatstadt. Von Russland nach Deutschland wandert er als Kontingentflüchtling aus, absolviert sein Studium an einer Hochschule für Musik in Hannover mit der dort höchsten Punktzahl jemals. Er gilt als einer der besten Klavierspieler weltweit und hat zahlreiche internationale Auszeichnungen gewonnen, teils als jüngster Teilnehmer. Mittlerweile wurde ihm aber auch für seinen Kampf gegen Rechtsextremismus das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er setzt sich insbesondere gegen Antisemitismus ein und wird dadurch auch stark angefeindet. Auch bei Fridays for Future-Demonstrationen war er dabei und hat sich deutlich für mehr Klimaschutz positioniert: Igor Levit. Mit ihm sprechen wir über Klimaschutz in Zeiten, in denen populistische Kräfte an Zustimmung gewinnen.
Umwelt-Magazin: Sie haben Angela Merkel aufgrund ihrer Klimapolitik als Heuchlerin bezeichnet. Wie würden Sie Olaf Scholz im Umgang mit Klimaschutz bezeichnen?
Igor Levit: Das ist sehr viele Jahre her, oder? Wann war das?
Umwelt-Magazin: Das war im Jahr 2019.
Igor Levit: Ich würde Olaf Scholz im Umgang mit Klimaschutz, glaube ich, ähnlich beschreiben wie bei den meisten anderen Themen. Ich halte Olaf Scholz mittlerweile in seiner Art der Kommunikation, in seiner Arroganz, in seinem Nichtsprechen, Nicht-wirklich-Kommunizieren, wirklich für sehr, sehr schwer zu ertragen. Ich würde es wirklich nicht auf den Klimaschutz alleine reduzieren, sondern auf die allermeisten gesellschaftlichen Fragen. Der Mann ist ein Bundeskanzler. Er ist immer noch Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland – und zwar, wie der Name schon sagt, der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Es ist unser aller Kanzler. Er schafft es, nach der Brandenburg-Wahl, die so ausgegangen ist, wie sie ausgegangen ist, zu sagen, dass es ein tolles Ergebnis für die SPD sei. Ein tolles Ergebnis „für uns alle“. Dabei haben viele Menschen Politiker*innen gewählt, die für viele in diesem Land buchstäblich lebensgefährlich sind.
Ja, nee, das ist nicht ein tolles Ergebnis für uns alle. Insofern würde ich, glaube ich, nicht nur bezüglich Klimaschutz, sondern auch bezüglich vieler anderer Themen sagen: „Ich fühle mich von meinem Bundeskanzler nicht mehr repräsentiert.“
Fridays for Future & Greta Thunberg
Umwelt-Magazin: Sie haben sich hiermit wie auch schon in der Vergangenheit politisch geäußert. Sie sind befreundet mit Robert Habeck. Sie sind Mitglied der Grünen. Sie haben bei Fridays-for-Future-Demonstrationen mitgewirkt. Wieso verbinden Sie sich als Musiker mit Parteien und Politik. Schadet einem das nicht eher?
Igor Levit: Ob mir das schadet, ist keine Frage, die ich mir je gestellt habe. Ich fühle mich als Bürger dieses Landes verpflichtet, Engagement zu zeigen. Eine Demokratie lebt, steht und fällt mit dem Engagement eines jeden Einzelnen. Wir alle haben Verantwortung, wir alle suchen uns gewisse Wege, wie wir dieser Verantwortung nachkommen. Ich bin der Partei der Grünen beigetreten vor gar nicht mal so wenigen Jahren, weil ich ein sehr starkes und enges Vertrauensverhältnis zu einigen Akteur*nnen der Grünen habe. Ich habe das auch nie bereut, bin aber sehr kritisch mit der Partei. Das ist ja auch gut so. Aber vor allem bin ich Staatsbürger. Wie sollen mir denn Engagement und eine Verbindung zu einer Partei denn schaden? Also: Nein, ich habe mir darum nie Gedanken gemacht. Ich werde mir darum keine Gedanken machen. Wer das zum Thema machen will, der soll es probieren.
Umwelt-Magazin: Haben Sie in der Vergangenheit irgendwelche Beschimpfungen erlebt, weil Sie Mitglied der Grünen waren?
Igor Levit: Keine, die ich besonders ernst genommen habe.
Umwelt-Magazin: Greta Thunberg äußert sich seit einem Jahr nicht selten pro-palästinensisch und ist gleichzeitig eine Art Ikone der Klimabewegung. Viele Menschen, auch Politiker*innen, haben sich daraufhin von Greta Thunbergs Äußerungen distanziert und sie kritisiert. Wie sollte man mit den Äußerungen Ihrer Meinung nach umgehen?
Igor Levit: Wie man mit diesen Äußerungen umgehen soll? Jeder soll sich selber im Spiegel anschauen. Für mich ist Greta Thunberg mittlerweile seit diesem Jahr eine politische und moralische Persona non grata.
Umwelt-Magazin: Finden Sie, man sollte sich, wie es Fridays for Future Deutschland gemacht hat, von den Organisationen, die Thunbergs Meinung teilen, abkapseln? Oder sollte man sagen, nur wenn wir alle zusammen für Klimaschutz kämpfen, sind wir stark?
Igor Levit: Was Fridays for Future Deutschland gemacht hat und auch proklamiert hat, dem habe ich nichts hinzuzufügen.
„Ihr könnt alle Umweltschutzfragen in den Rucksack packen und aus dem Fenster werfen, wenn ein Land von Extremisten regiert wird“
Umwelt-Magazin: Okay – Hat für Sie der Kampf gegen Antisemitismus, gegen Extremismus, etwas mit Umweltschutz zu tun?
Igor Levit: Ihr könnt alle Umweltschutzfragen in den Rucksack packen und aus dem Fenster werfen, wenn ein Land von Extremisten regiert wird, die einen der entscheidenden Punkte, der für die Gesundheit und das Bestehen jeder Demokratie von essenzieller Bedeutung ist, mit Füßen treten: das faktische Kommunizieren. Wenn dieses Land irgendwann von Menschen regiert werden sollte, die einfach keine Fakten mehr kennen, sondern nur noch über Gefühle gehen, dann gibt es keinen Klimaschutz mehr. Insofern ist der Kampf gegen Demokratiefeinde, von welcher Seite auch immer, das Fundament für jede Form des Kampfes für den Klimaschutz.
Umwelt-Magazin: Ist das nur die AfD oder sind das auch noch andere Parteien?
Igor Levit: Es gibt auch andere. Es ist die AfD, es ist das BSW, es sind aber auch Bewegungen auf der Straße. Noch einmal: Jede Bewegung, die das demokratische Miteinander als solches mit Füßen tritt und gefährdet – praktisches Sprechen gefährdet, Menschen gefährdet – kann niemals Partner sein für eine Klimaschutzbewegung. Und wer da verwässert, dem glaubt man weder das eine noch das andere.
Umwelt-Magazin: So ein typisches Konzerthaus, wie nachhaltig ist das?
Igor Levit: Das kann ich nicht pauschal beantworten, das müsste jedes Konzerthaus selbst beantworten. Das kann ich nicht sagen.
Als Prominente*r öffentlich für Klimaschutz eintreten?
Umwelt-Magazin: Gibt es da einige Vorbilder oder macht man sich da überhaupt Gedanken drüber?
Igor Levit: Man macht sich immer mehr Gedanken drüber. Es ändert sich das Reiseverhalten, es ändert sich das… Natürlich macht man sich da Gedanken drüber. Jedes Konzerthaus, jede große Institution und sei es aus Gründen der Kosten, macht sich natürlich Gedanken darüber, wie es nachhaltig funktionieren kann. Selbstverständlich. Aber wie jetzt ein Haus konkret aufgestellt ist, das kann ich euch so nicht sagen.
Umwelt-Magazin: Wie stark ist das Bewusstsein für Klimaschutz in der Profimusik-Branche? Kann man das besser sagen?
Igor Levit: Es gibt solche und solche. Musikerinnen und Musiker sind auch nur Menschen. Es gibt welche, für die ist das von sehr großer Bedeutung. Es gibt welche, für die ist das von keiner großen Bedeutung. Ich habe noch niemanden kennengelernt, der mir gesagt hat: „Das ist mir egal.“ Für manche ist das eben einfach nicht der Hauptfokus, aber ich glaube: Es gibt kaum mehr jemanden, der das Thema des Erhaltens von Lebensgrundlagen nicht für essentiell hält. Aber noch einmal: Ohne ein politisch halbwegs gesundes, faktenbasiertes, nicht Menschenleben-gefährdendes Fundament, können wir uns jede Klimapolitik einfach sparen.
Umwelt-Magazin: Viele bekannte Persönlichkeiten haben sich im Gegensatz zu Ihnen bisher noch nicht zu Klimaschutz geäußert – Nicht nur zu Klimaschutz haben sie sich nicht geäußert, sondern zum Zustand der Demokratie insgesamt. Sie haben sich noch nicht politisch geäußert. Haben Sie eine Idee, warum?
Igor Levit: Auch das wieder: Müsst ihr jeden Einzelnen und jede Einzelne selbst fragen. Ich kann niemandem Dinge vorschreiben – niemand muss, alle sollten, ja, aber niemand muss. Wir leben in einer freien Gesellschaft. Die Entscheidung, sich zu äußern, sich zu engagieren, ist auch Teil von einer freien Gesellschaft. Da darfst du auch sagen: „Nein, ich will nicht. Ich kann nicht. Der Preis dafür ist zu hoch, ich habe Angst, etc.“ Jeder hat das Recht, das zu denken. Ich ticke nur anders. Ich würde auch niemandem pauschal daraus einen Vorwurf konstruieren. Es gibt welche, die sind einfach ignorant. Kann sein. Das ist leider so. Manche Menschen sind ignorant. Aber, hey, nochmal, freie Meinungsäußerung, freie Gesellschaft. Das gilt so. Ihr könnt niemanden zwingen, ihr solltet niemanden zwingen zu etwas, was ein souveräner Mensch nicht will. Ich finde es schade, ich finde es falsch. Aber ich werde niemanden deswegen an den Pranger stellen. Und dann gibt es einfach welche, die gewisse Ängste haben und die kann ich sehr nachvollziehen. Ich ticke anders, ich tue es trotzdem, aber ich kann jeden verstehen, der sich fragt, ob er bereit ist, den Preis einer gewissen Öffentlichkeit und eines gewissen Engagements zu zahlen.
Umwelt-Magazin: Würden Sie sagen, die Bereitschaft, sich als Prominenter politisch zu äußern, hat sich gewandelt in der letzten Zeit?
Igor Levit: Ja.
Umwelt-Magazin: Beim Klimaschutz und Demokratie insgesamt, beim Sprechen über Populismus oder an welcher Stelle?
Igor Levit: Ja, natürlich. Es braucht einen Knopfdruck auf deinem Handy, um jemandem zu schreiben: „Ich finde dich, ich schlage dich.“ Es braucht ein Knopfdruck, um zu schreiben: „Ich weiß, du bist [an dem und dem Datum] auf der Bühne, [an dem und dem Ort], ich schieße dich von der Bühne.“ Es braucht nicht einmal jemanden, der das ernst meint. Es braucht nur jemanden, der ein Knopfdruck tätigt. Insofern ist der Preis, den man mental bezahlt, teils sehr hoch. Und zu entscheiden, ob man das will, liegt bei jedem Einzelnen und jeder Einzelnen. Niemand von außen, außer die Menschen, die es betrifft, hat das Recht, dies zu kritisieren.
Wir alle für Klimaschutz jetzt!
Umwelt-Magazin: Sie haben es ja wahrscheinlich mitbekommen: Wir haben verschiedene Menschen angeschrieben und manche haben uns zugesagt für ein Interview, Sie zum Beispiel – Die meisten haben uns natürlich nicht zugesagt – und andere haben uns für Videobotschaften zugesagt. Wir wollen die Videobotschaften auf unserer Internetseite veröffentlichen und möglichst verschiedene Perspektiven zusammenbringen. Und jetzt fragen wir Sie: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Botschaft zur Umweltkrise an die Menschheit zu richten, was würden Sie inhaltlich sagen? Natürlich sind wir nicht die Menschheit, aber (…)
Igor Levit: Der Themenkomplex des Umweltschutzes, wenn der euch wichtig ist, und wenn ihr euch darum sorgt, wenn ihr möchtet, dass sich Dinge verändern, dass das Thema im Fokus bleibt, dass das faktenbasierte, wahrheitsbasierte Denken im Fokus bleibt: Dann engagiert euch dafür, dass Extremisten nicht das Ruder in diesem Land übernehmen – weil ihr euch ansonsten von diesem Thema politisch eigentlich verabschieden könnt. Das ist meine Botschaft.
Bildrechte: ©Peter Rigaud
Yadegar Asisis Panoramen sind die größten der Welt. Asisi macht verschiedene Panoramen – zu Geschichte, zu Naturräumen. Immer geht es bei seiner Arbeit um das Bewahren, ist uns aufgefallen: um das Bewahren von Natur- und Kulturräumen. Also haben wir ihn genauer befragt und eine selten reflektierte Person erlebt. Wir fassen in diesem speziellen Fall bewusst nichts aus dem Interview zusammen oder schreiben etwas über den Inhalt, weil dadurch Gedankengänge kaputt gehen würden. Das Interview sollte als Ganzes gesehen werden.
„Vielleicht hilft uns das Museum, auch wieder einen besseren Zugang zur Natur zu bekommen? Trotzdem ist der beste Zugang zur Natur die Natur selber. Dann müsste ich mich aber darauf einlassen – Ich müsste Langsamkeit pflegen.“ ~ Yadegar Asisi
Interview
Viel Spaß beim Ansehen!
Bildquelle:
© asisi
Mitten in der Niederungslandschaft der Flüsse Eider, Treene und Sorge liegt das Storchendorf Bergenhusen. Bergenhusen ist ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein, das als „Storchendorf“ bekannt ist. Hier befindet sich das Michael-Otto-Institut im NABU, das sich auf die Erforschung von Weißstörchen spezialisiert hat. Das Gebiet bietet ideale Bedingungen für Naturbeobachtungen und Umweltbildung. Gemeinsam fuhren wir nach Bergenhusen, um mehr von Störchen und den Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, zu lernen.
Bergenhusen
Die Region mit dem motivierenden Namen Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge, in der Bergenhusen liegt, ist geprägt von Feuchtwiesen, Mooren und Flusslandschaften, die eine perfekte Grundlage für den Lebensraum der Störche darstellen. Gebiete wie dieses bieten reichlich Nahrung, da Frösche, Insekten, Würmer und kleine Säugetiere hier in großer Zahl vorkommen. Gleichzeitig finden die Störche in der traditionellen Bauweise des Dorfes mit Reetdächern und offenen Flächen ideale Nistmöglichkeiten.
Außerdem ist Bergenhusen im Vergleich zur Umgebung recht hoch gelegen, sodass der Gleitflug der Vögel ins Tal nur wenig Energie benötigt. Deshalb bauen die Tiere auch immer ihre Nester weit oben, um sich aus den Nestern stürzen zu können und zu jagen, was wegen ihres Gewichts sonst von einem Nest am Boden aus sehr anstrengend wäre.
Auch die naturnahe Landwirtschaft in der Region spielt eine zentrale Rolle. Durch eine extensivere Nutzung der Flächen, den Verzicht auf intensive Pestizid- und Düngemittelanwendung sowie die Erhaltung von Feuchtwiesen und Weiden bleibt die Nahrungsgrundlage der Störche gesichert. Darüber hinaus hat Bergenhusen eine lange Tradition als „Storchendorf“. So werden Nistplätze gezielt erhalten oder neu geschaffen, und Schutzmaßnahmen sowie regelmäßige Beobachtungen und Projekte fördern die Population. Gleichzeitig trägt die geringe Störung durch den Menschen dazu bei, dass die Tiere sich in der Umgebung sicher fühlen.
Es war ein wunderschöner Ausflug, den alle sehr genossen haben und bei dem wir viel gelernt haben. Wir würden auf jeden Fall empfehlen, Bergenhusen zu besuchen und – wenn möglich – auch eine Führung durch das Museum und das Dorf zu unternehmen.
Video über unseren Ausflug
Wir waren so gut vorbereitet. Handy mitgenommen für das Bildmaterial, Mikrofon dabei, Fragenkatalog, eingedacht ins Thema, und dann das Ergebnis ohne Ton, weil wir das Verbindungskabel des Mikrofons nicht fest genug mit dem Handy verbunden haben… Wir haben auf einige unserer gestellten Fragen schriftliche Antworten im Nachhinein bekommen. Wir versuchen hiermit, einen kleinen Ersatz für das zugesagte Video-Interview zu bieten. Liebe Lilli, ganz doll Entschuldigung, dass so schiefgegangen ist!
Interview mit Lilli Kost, NABU Bergenhusen
Umwelt-Magazin: Sind Störche durch die Klimakrise betroffen – wenn ja, wie?
Lilli Kost, FÖJlerin beim NABU: Wetterbedingungen beeinflussen die Gesundheit, das Überleben und die Reproduktion des Weißstorchs direkt und indirekt. Es gibt Hinweise darauf, dass sich eine zu heiße und trockene Witterung in den Brutgebieten negativ auf den Bruterfolg auswirken kann. Extreme Wetterereignisse, die durch den Klimawandel vermehrt auftreten, sind eine zusätzliche Belastung für die Störche. Starkregen in der Brutsaison kann für das Gelege und die Küken gefährlich sein, da diese auskühlen und daraufhin absterben können.
Veränderte Bedingungen wirken sich außerdem auf die Futtersuche aus. Wenn es in den Brutgebieten trocken ist, ernähren sich die Weißstörche vermehrt von Kleinsäugern und Insekten. In regnerischen Zeiten fressen die Störche vor allem Regenwürmer. Diese sind in der frühen Aufzuchtphase besonders wichtig. In dieser Zeit darf es demnach nicht zu trocken sein.
Nicht nur bei uns im Brutgebiet verändern sich die Bedingungen, sondern auch in den Überwinterungsgebieten und auf den Zugwegen. Dort sind auch Dürre und Desertifikation ein Problem für den Storch. […] Der zunehmende Eingriff des Menschen in die Natur sorgt für eine Gefährdung des Weißstorchs. Dazu gehört zum Beispiel die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit einhergehende Verlust an Lebensräumen. Zudem sind Ober- und Freileitungen sowie Windkraftanlagen Gefahren auf dem Zugweg des Storchs.
Umwelt-Magazin: Gibt es nicht Wiesen erst so richtig, seitdem es den Menschen gibt? Inwiefern ist der Storch dann überhaupt durch uns Menschen gefährdet? Profitiert er nicht eher von uns, wenn er doch auf Wiesen lebt?
Lilli Kost: Der Weißstorch kommt dorthin, wo die Menschen sind – Er ist ein Kulturfolger. Allerdings findet er seine Nahrung im extensiven Feuchtgrünland. Dieses verschwindet mit zunehmender Intensivierung der Landwirtschaft. Aus dem Feuchtgrünland entsteht Intensivgrünland. Dieses wird häufiger gedüngt, öfter gemäht und stärker entwässert. Durch die intensivere Bearbeitung geht die Artenvielfalt auf den Flächen zurück. Bei der häufigen Mahd streben beispielsweise Frösche und Blüten, welche Insekten anlocken, verschwinden. Zudem ziehen sich im Boden lebende Arten tiefer zurück und sind für den Storch sowie andere Wiesenvögel schlechter erreichbar.
Umwelt-Magazin: Was isst so ein Storch am liebsten?
Lilli Kost: Störche sind Nahrungsopportunisten. Das bedeutet, dass sie ihre Futtersuche nach Möglichkeit an externe Bedingungen anpassen. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass sich Störche größtenteils von Fröschen ernähren, fressen die Störche in Bergenhusen vor allem Mäuse und andere Kleinsäuger. Das liegt daran, dass es in der Region um Bergenhusen nicht so viele Frösche gibt. Allgemein gehören auch Insekten und Regenwürmer zum Futter der Weißstörche.
Umwelt-Magazin: Warum bauen Störche ihre Nester so weit oben und gerade auf Hausdächern?
Lilli Kost: Störche nisten allgemein gerne auf erhöhten Plätzen. Zum einen können sie so die Futtergebiete gut überblicken und brauchen nicht so viel Energie, wenn sie aus dem erhöhten Horst hinab segeln. Des Weiteren bietet ein hochgelegenes Nest Schutz der Jungen vor Raubtieren wie dem Marder.
Umwelt-Magazin: Warum heißt der Storch auch Hoier-Boier?
Lilli Kost: In Bergenhusen wird der Storch auch Hoier-Boier genannt. Dieser Begriff lässt sich vom dänischen „at bygge højere“ ableiten, was „höher bauen“ bedeutet. Die Region gehörte bis 1866 zu Dänemark.
Umwelt-Magazin: Was macht man so, wenn man beim NABU Bergenhusen arbeitet?
Lilli Kost: Meine Aufgaben als Freiwillige beim NABU sind sehr vielfältig. Zweimal die Woche werden alle Storchennester im Dorf überprüft. Wir dokumentieren die Ankunftsdaten der Störche, lesen Ringe ab und überwachen die Aufzucht die Küken. Bei der Reinigung der Nester und der Beringung der Jungstörche bin ich auch dabei. Zudem gehört die Umweltbildung zu meinen Aufgaben. Ich betreue unsere Ausstellung und gebe Führungen, um mehr Menschen für den Storch zu begeistern und für den Schutz der Vögel zu sensibilisieren. Im MOIN gibt es noch viele weitere Projekte zu anderen Wiesenvögeln und zur Artenvielfalt im Agrarland. Dort unterstütze ich meine Kolleg*innen bei der Arbeit im Feld.
Umwelt-Magazin: Danke für das Interview und die unglaublich spannende Führung durch Bergenhusen! Das hat uns allen riesigen Spaß gemacht.
Den meisten Menschen ist Tobias Krell wahrscheinlich eher als Checker Tobi bekannt. Seit 2013 moderiert er seine Wissenssendung für Kinder, Checker Tobi, auf KiKa und klärt im Wechsel mit anderen Checker*innen in jeder Folge über ein bestimmtes Thema auf. Zwei Kinofilme wurden mit Checker Tobi auch schon gedreht. „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“ erreichte mehr als eine Million Zuschauer*innen. Für den Grimme-Preis wurde er nominiert und mit dem Preis „Emil“ für herausragendes Kinderfernsehen ausgezeichnet. Seit 2021 moderiert er mit Clarissa Corrêa da Silva „Die beste Klasse Deutschlands“. Wir konnten Tobias Krell interviewen und haben ihn Fragen rund um Umweltschutz gestellt. Es ging um Politik, Journalismus und seine eigene Meinung.
Das Interview
Bildquelle
- Titelbild: [Bild bearbeitet] Von Superbass – Superbass, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=158303490
Sie moderiert eine der meistgesehenen Talkshows Deutschlands: Sandra Maischberger. In unserem Interview spricht die vielfach ausgezeichnete Journalistin über das TV-Duell ohne Robert Habeck, über Populismus, Migrationsdebatten und deren Auswirkung auf Klimaschutzmaßnahmen und ihre privaten Bemühungen, nachhaltiger zu leben.
Umwelt-Magazin: Welche Klimaschutzmaßnahmen wünschen Sie sich eigentlich im Moment?
Sandra Maischberger: (lacht) Neben der Rettung der Welt? Tatsächlich bin ich gerade nicht besonders fröhlich, weil ich das Gefühl habe, dass mit dem neuen Mann im Weißen Haus, also mit Donald Trump, vieles zurückgedreht wird, was an Erkenntnis schon da war: Dass man eben aus ganz vielen Gründen möglichst CO₂-frei versucht zu leben, ist offensichtlich nicht seine Überzeugung. Wenn so ein großes Land wie die Vereinigten Staaten von Amerika an diese notwendigen Anstrengungen nicht glaubt, dann wird vieles von dem, was wir hier so im Kleinen tun, plötzlich scheinbar wertloser… Aber wahrscheinlich müssen wir uns dann dementsprechend noch ein bisschen stärker anstrengen.
Carsharing, Stromanbieter und Photovoltaik
Umwelt-Magazin: Was für konkrete Maßnahmen finden Sie gut? Sind Sie persönlich auch bereit, sich für den Klimaschutz einschränken zu lassen und wie weit?
Sandra Maischberger: Alles, was erneuerbar ist, ist für mich als Energieform besser, als das, was fossil ist. Photovoltaik ist etwas, was wir – mein Mann vor allem – schon vor 25 Jahren als Form der eigenen, kleineren, Energiegewinnung entdeckt haben. Wir haben hier kein Auto. Ich habe persönlich kein Auto seit ungefähr 30 Jahren, aber ich benutze Autos, ich benutze Carsharing.
Hier in Berlin bin ich viel unterwegs. Es gibt überall Carsharing-Angebote. Meine leise Sünde, gebe ich zu, das ist der E-Roller, der so ein bisschen meine Fußwege ersetzt. Das ist natürlich unter klimatechnischen Aspekten nicht gut, aber gleichzeitig hilft es auch dabei, häufiger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Man kann dann die letzten 100, 200 Meter schneller bewältigen und ist einfach von A nach B gut durchgekommen.
Wir versuchen hier, was die Beleuchtung im Haus angeht, schon lange Energiesparlampen zu nutzen. Wir haben unseren Stromanbieter schon vor 20 Jahren gewechselt und versuchen auch da auf erneuerbare Herstellung zu achten. Wir haben eine Vielzahl von Dingen angestoßen im privaten Umfeld.
„Ich mache mir gerade ein bisschen Sorgen um das Thema im Wahlkampf.“
Umwelt-Magazin: Welche Rolle, glauben Sie, wird der Klimawandel in kommendem Wahlkampf spielen?
Sandra Maischberger: Das ist, finde ich, im Moment ein bisschen schwer zu sagen, weil die Dinge sich gerade sehr schnell verändern. Ich habe das Gefühl, die Grünen waren bisher noch nicht sehr offensiv mit dem Thema, aber nun hat der Wahlkampf auch gerade erst begonnen. Ich sehe wenig andere Parteien, die das Thema gerade ganz nach vorne rücken.
Es ist auch immer so, dass nach einem so furchtbaren Anschlag wie dem, den wir jetzt in Aschaffenburg gesehen haben, plötzlich wieder ganz viel von allen Parteien über Migration gesprochen wird – sehr vehement. Ich habe das Gefühl, der Klimaschutz war sehr viel stärker im letzten Wahlkampf präsent. Die Themen haben sich seitdem enorm gedreht. Wir reden über Krieg und Frieden, wir reden über die Migrationsthematik und wenn wir über Klimaschutz reden, dann sehr häufig von vielen Parteien im negativen Kontext. Es geht dann nämlich um die Kosten, die verbunden sind mit der Transformation, die viele Industriebetriebe eben dann über einen höheren Strompreis auch treffen kann. Also: Ich mache mir gerade ein bisschen Sorgen um das Thema im Wahlkampf.

Maischberger
Umwelt-Magazin: Wie wichtig sind Ihnen eigentlich Umweltthemen in Ihren Talkshows?
Sandra Maischberger: Eine Sendung wie meine ist keine, die jetzt eine Agenda betreibt. Wir sind nicht die Redaktion, die sich morgens hinsetzt und sich fragt: „Was müssen wir jetzt dringend als Thema machen?“, sondern wir reflektieren im Prinzip das, was als Themen von den Parteien nach vorne gebracht wird. Die Parteien, die sich zur Wahl stellen, setzen ihre Agenda. Wir nehmen erst einmal das, was die vorhaben und dann ergänzen wir das mit Themen, von denen andere Parteien glauben, dass sie wichtig sind. Da wäre dann zum Beispiel die Frage nach dem Klimaschutz auch wichtiger. Aber es ist nicht so, dass wir selber ein bestimmtes Thema nach vorne bringen, sondern wir spiegeln das, was in der Gesellschaft passiert. Das ist die Aufgabe dieser Art von Journalismus, die wir betreiben.
Duell oder Triell? – „Nicht meine Entscheidung“
Umwelt-Magazin: Wie präsent ein Kanzlerkandidat in der Öffentlichkeit vorkommt, hat ja auch Auswirkungen auf das Wahlverhalten. Es gibt nicht mehr nur zwei große Parteien, mindestens vier. Wir wissen, dass Grüne und SPD momentan um den zweiten Platz in den Umfragen kämpfen und wir wissen, dass Habeck als Person sehr beliebt ist, teilweise sogar beliebter als Herr Merz. Warum Duell und nicht Triell?
Sandra Maischberger: Ehrlich gesagt ist das nicht meine Entscheidung. Das ist eine Entscheidung, die die Sender treffen. Dann wird dementsprechend eingeladen. Das, was ich moderiere, ist sozusagen das eine Mal, bei dem der jetzt amtierende Kanzler mit dem wahrscheinlichsten oder dem stärksten Herausforderer spricht. Wenn man jetzt sagt, man nimmt Robert Habeck dazu, ist der Schritt zu Alice Weidel nicht weit. Es wird schwierig, dann zu argumentieren, dass es nur drei sind. Es wären dann schon eher vier. Wir wissen alle, dass es – im Moment jedenfalls – keine Partei gibt, die mit der AfD koalieren will, aber sie könnte natürlich laut der Umfragen mit einiger Berechtigung vermutlich auch auf rechtlichem Wege durchsetzen, dass sie dann Teil dieser Debatte ist. Dann hat man vier Kandidaten dabei. Es gibt auch Formate, die das machen. In unterschiedlichen Sendungen bei ARD, ZDF – ich weiß nicht, ob andere noch dabei sind – werden sich dann alle vier den Fragen stellen. So gibt es unterschiedliche Formen. Unsere Form, die wir jetzt gleich am 9. Februar machen, ist die, bei der sich der Amtsinhaber seinem wahrscheinlichsten oder seinem den Zahlen nach am wichtigsten Herausforderer stellt.
Umwelt-Magazin: Können Sie verstehen, dass Habeck und Weidel ein Duell miteinander machen sollten? (…)
Sandra Maischberger: Ob ich verstehe, dass Herr Habeck das nicht möchte? (lacht)
Umwelt-Magazin: Ja, und warum kommt man auf diese Idee? (Keiner schwankt zwischen AfD und Grünen.)
Sandra Maischberger: Ich habe es gerade versucht zu erklären. Abgesehen davon ist es wirklich nicht meine Entscheidung, aber ich moderiere diese eine Begegnung natürlich. Wenn man möchte, dass es einen guten Austausch gibt, dann ist es häufig nicht zielführend, sehr viele Menschen dazu einzuladen. Das weiß jeder, der mal in einer größeren Gruppe argumentiert. Ein konzentriertes Gespräch ist auch häufig sehr gut zu zweit. Die Logik ist die: Da ist der Amtsinhaber und der wahrscheinlichste Herausforderer. Und dann sind die beiden Parteien, die die nächststärkeren Stimmanteile haben, in einer vergleichbaren Situation: auch mit dem vergleichbaren Sendeplatz, also Primetime, 20:15 Uhr. Die haben dann die Möglichkeit, gegenseitig Argumente auszutauschen.

Robert Habeck
„Habeck versteht viel von der Sache“ – direkte Auseinandersetzung mit Weidel?
Umwelt-Magazin: Können Sie verstehen, dass Habeck abgesagt hat?
Sandra Maischberger: Ja, also ich kann es aus dem persönlichen Standpunkt verstehen. Ich finde es schade. Ich habe in dieser Woche selbst einmal Alice Weidel in meiner Sendung mit Sahra Wagenknecht im Gespräch gehabt. Das ist jetzt nicht, um es vorsichtig zu formulieren, vergnügungssteuerpflichtig. Ich denke trotzdem, dass es schwierig ist, sich nicht auch im Sinne der Wähler und Wählerinnen mit den Argumenten der AfD auseinanderzusetzen, wenn wir eine Partei haben, die so stark geworden ist. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand wie Robert Habeck, der ja einfach sehr viel von der Sache versteht – zum Beispiel von Energiepolitik – dann doch auch die Gelegenheit nutzt, um möglicherweise auch in einer direkten Auseinandersetzung mit Argumenten kommt. Ich kann verstehen, dass er das nicht tut, aber als Wählerin hätte ich das mir ganz gerne angeguckt.
Umwelt-Magazin: Wie wichtig sind Ihnen persönlich die verschiedenen Themen: Migration, Wirtschaft, Frieden, Klimaschutz, soziale Ungerechtigkeit und Bildung? Können Sie das mal sortieren?
Sandra Maischberger: Wie gesagt, versuche ich eine Sendung zu machen, in der meine persönlichen Vorlieben nicht im Vordergrund stehen, weil ich das für keine gute Idee halte, wenn Journalisten ihre persönlichen Vorlieben nach vorne bringen. Wir sortieren die Themen nach der Relevanz in den Parteiprogrammen erst einmal und dann nach der Relevanz, die sie für die Gesellschaft haben. Also habe ich persönliche Präferenzen? Wenn ja, würde ich sie ihnen jetzt nicht sagen. (lacht) Mein Credo ist der Versuch einer möglichst neutralen Moderation, möglichst wenig eigene Meinung mit hineinzubringen. Es gelingt einem natürlich nicht immer zu verstecken, was man gerade denkt, aber es sollte eigentlich die Richtlinie sein.
Bei dem Gespräch, das Herr Scholz und Herr Merz miteinander führen werden, haben wir als zwei Redaktionen (ARD und ZDF) versucht, die Themen herauszukristallisieren, die im Moment für den großen Teil der Bevölkerung die größte Bedeutung haben. Das ist dann der Versuch, in anderthalb Stunden nicht von einem Thema zum anderen zu springen und nur fünf Minuten für ein Thema zu haben, sondern dann sich auch vielleicht zu konzentrieren. Möglicherweise fällt das eine oder andere dann auch weg, aber die Schwerpunktsetzung ist noch nicht passiert. Deswegen würde ich es jetzt auch ungern mit Ihnen diskutieren. Aber, das kann man sagen, in jeder Sendung steckt eine wahnsinnig intensive Vorbereitungszeit und Arbeit. Für das Gespräch, das ich jetzt mit Alice Weidel und Sahra Wagenknecht geführt habe, haben wir bestimmt nur 30 Prozent dessen verwendet, worauf ich mich vorbereitet habe. In dem Zeithorizont, den man hat, ist es nicht möglich, alles unterzubringen, ohne dass man sehr, sehr hektisch hüpfen muss.

Dürren und andere Folgen der Klimakrise werden zu Migration führen
Über Migration reden, ohne über Klimaschutz zu reden
Umwelt-Magazin: Da sind jetzt viele Unsicherheiten und Ungenauigkeiten dabei, aber die Dimensionen sind vielleicht dann klar. Wir haben jetzt aktuell ungefähr 30 Millionen Klimaflüchtlinge (Quelle) und ungefähr bis zu 120 Millionen Flüchtlinge weltweit (Quelle). Man rechnet mit bis zu 220 Millionen Klimaflüchtlingen im Jahr 2050 (Quelle). Das sind fast doppelt so viele Klimaflüchtlinge, wie es aktuell überhaupt Flüchtlinge gibt. Wie kann man über Migration reden, ohne über Klimaschutz zu reden?
Sandra Maischberger: Ja, ich verstehe Ihren Punkt. Ich glaube, die Frage nach der Fluchtbewegung und der Begriff „Klimaflüchtling“ sind relativ neu. Ich glaube, dass ein Großteil der Flüchtlinge, die uns in den letzten Jahrzehnten oder auch schon früher erreicht haben, auch schon Klimaflüchtlinge waren, denn sie sind vor veränderten Umständen in ihren Ländern geflohen, weil sie zum Beispiel als Bauern keine Möglichkeit mehr hatten, ihr Land für sich und ihre Familien zu bewirtschaften. Also ich verstehe, dass man diesen neuen Begriff einführt.
Ich fände es ein bisschen schwierig, das dann auseinanderzuhalten, bin aber auch nicht in der Materie so drin wie Sie. Was genau ist dann jetzt der Fluchtgrund für jemanden, der aufgrund von möglicherweise sozial schwierig gewordenen Lebensumständen plus der schwieriger werdenden Versorgung zum Beispiel durch das, was man auf seinem Grund und Boden aufbaut, flüchtet? Ich weiß natürlich, dass es Länder gibt und Küstengegenden, die massiv erodieren durch den ansteigenden Meeresspiegel oder eben auch die zunehmenden Unwetterphänomene, die wir sehen.
Ich tue mich schwer mit Prognosen, die in diese Richtung gehen. In meinen Kommunikationsstrategien habe ich es auch immer für klüger gehalten, mir Menschen vorzustellen: eine Familie zum Beispiel. Ich weiß gar nicht, ob es Rupert Neudeck war oder jemand anderes, der gesagt hat, es sei nie sehr gut, mit so hohen Millionenzahlen zu operieren, dass die Menschen sich das entweder nicht vorstellen können oder, wenn sie sich es doch vorstellen können, in eine Art von Schockstarre zu verfallen.
Also: „Wie kann man über Fluchtbewegungen reden, ohne über das Klima zu reden?“ Nicht, würde ich sagen. Natürlich ist das ein Teil dessen, was man zu den Voraussetzungen immer erwähnen muss. Das heißt dann immer so schön lapidar, „die Fluchtgründe beseitigen“. Ich glaube niemand, der bisher behauptet hat, es tun zu wollen, hat es wirklich am Ende dann auch gemacht. Es ist auch gar nicht so trivial, in anderen Ländern die Dinge so zu verändern, dass die Menschen dort bleiben können. Aber ja, es wird ein Thema sein: Warum fliehen Menschen und wie kann man das so verbessern, ihre Lebenssituation, dass sie nicht fliehen müssen. In vielen Fällen wird das nicht gehen. Wir wissen auch, dass der größte Teil der Migrationsbewegung ja nicht eine ist, die interkontinental passiert, sondern gleich eigentlich im Nachbarland oder in den nächsten drei Ländern. Also werden wir sicherlich darauf Antworten finden müssen beziehungsweise meine Rolle wäre dann die, meine Gesprächspartner danach zu fragen.
Nationalismus: „Ein ganz gefährlicher Trend“
Umwelt-Magazin: Genau darauf zielte die Frage ein bisschen ab. Es gibt ja gewisse Parteien, die mehr Migrationskontrolle fordern und das sind teilweise auch die Parteien, die vielleicht eher weniger Klimaschutzmaßnahmen wollen.
Sandra Maischberger: Sie wollen vor allem nicht dafür bezahlen. Das ist der springende Punkt. Die sehen das gar nicht ein. Wir sehen uns gerade einer wirklich gefährlichen Bewegung von einer Renaissance der Nationalismen ausgesetzt, wo viele politische Kräfte das Gefühl haben, sie gewinnen ihre Wählerstimmen genau dann, wenn jeder sich nur noch um seine Grenzen kümmert und um sein Land. Es ist ein ganz gefährlicher Trend. Ich habe gerade ganz wenig Hoffnung, dass der sich sehr schnell umdreht, weil ganz viele Menschen den einfachen Antworten lieber folgen, diesen einfachen Projektionen – „Dann machen wir halt die Grenzen zu“ – als dass sie sich damit auseinandersetzen wollen, wie man es grundsätzlicher verhindert, dass es überhaupt zu diesen Fluchtbewegungen kommt. Vielleicht können sie es auch nicht oder sie sind zu erschöpft. Wie gesagt, ich bin da nicht sehr optimistisch.
Umwelt-Magazin: Welcher Politiker oder welche Politikerin ist Ihnen eigentlich in den letzten Jahren am meisten in Erinnerung geblieben?
Sandra Maischberger: (lacht) Auch das versuche ich immer zu umgehen. Ich versuche da auszuweichen, weil ich damit so ein Ranking machen würde und das möchte ich nicht. Ich bin ja noch „im Amt“ sozusagen, also mache ich viele Sendungen. Wenn ich jetzt irgendwie öffentlich darüber rede, wer toll ist, wer weniger toll ist, wer mir sympathisch ist und wer mir nicht sympathisch ist, dann tue ich unserer Sendung keinen Gefallen. Also da bitte ich um etwas Verständnis.
„In den 90ern, als das Privatfernsehen dazu kam, ging irgendwie alles.“
Umwelt-Magazin: Kein Problem! Hat sich die Diskussionskultur in Deutschland verändert?
Sandra Maischberger: Ja, sie verändert sich ständig. Als ich angefangen habe in den 80er Jahren, habe ich eine Jugendsendung moderiert im Bayerischen Rundfunk. Ich weiß noch ganz genau, wie wir in dieser Jugendsendung zum ersten Mal im BR Homosexualität thematisieren durften, aber auch nur, wenn wir einen Vertreter der katholischen Kirche dazu geladen haben, weil man ja nie wusste, wohin das alles führen könnte, wenn man da jetzt keinen hat. Das war der Start, den ich noch überblicke, aus den letzten 40 Jahren. Wir hatten eine Zeit, in der dann irgendwie alles ging. So war mein Empfinden in den 90er Jahren, da kam Privatfernsehen dazu. Dann wurde plötzlich alles ausgebreitet, auch die Dinge, die man gar nicht so genau wissen wollte.
Jetzt sind wir in einer Zeit angelangt, in der Social Media eine so große Rolle spielt, dass sich die Diskussionskultur einmal einerseits davon radikalisierend beeinflussen lässt und auf der anderen Seite viele auch vorsichtig geworden sind bei dem, was sie sagen. In welchem Rahmen sagt man etwas, sagt man überhaupt etwas? Sie müssen mit dem Shitstorm oder auch mit der Anfeindung und zum Teil auch körperlicher Bedrohung danach rechnen. Also wir sind in einer Veränderungsphase, von der ich noch nicht weiß, wo sie enden wird.
Die Dinge sind sehr durcheinander geraten. Wir sind einerseits schriller geworden und auf der anderen Seite vorsichtiger – was eigentlich für ein offenes, freies Gespräch überhaupt nicht gut ist.
Botschaft zur Klimakrise
Umwelt-Magazin: Ihre Botschaft zur Klimakrise:
Sandra Maischberger: Tja, als Journalistin im aktuellen Bereich würde ich jedenfalls sagen, „Drill, baby, drill“ ist es nicht, was ich in einer Botschaft sagen würde. Ich versuche, keine Botschaften auszusenden. Auch da muss ich sie enttäuschen.
… aber wenn, würde ich meinen, dass das Zurück zu all den Verbrennungstechnologien, die wir lange Zeit losgelassen haben und von denen wir aber auch sehr gut gelebt haben, sicherlich nicht die Antwort ist.
Umwelt-Magazin: Ja, das ist doch schon eine Botschaft!
Sandra Maischberger: Wenn überhaupt… Ich bin wie gesagt Journalistin und mein Fach ist das Fragenstellen, ja, und nicht so sehr das Antwortengeben. (lacht) Dazu habe ich mich mal entschieden und ich versuche da sehr strikt dabei zu bleiben.
Umwelt-Magazin: Das ist sehr verständlich. Vielen, vielen Dank für das tolle Interview. Sie sind großartig!
Sandra Maischberger: Und danke für die sehr gut ausgedachten Fragen. Ich wünsche ihnen viel Erfolg und freue mich, dass es noch junge Menschen gibt, die da doch auch an dem Thema dran sind. Die Bewegung hat sich ja so ein bisschen auch verändert in den letzten Jahren. Sie haben bestimmt einen schwereren Stand als vorher. Alles Gute für Sie.
Bildquellen
- Collage aus zwei Bildern: By Superbass – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40990387, By © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=131202976
- „Maischberger“ – Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=131202981
- „Robert Habeck“ – Von Martin Kraft – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=155771820
- „Dürren und andere Folgen der Klimakrise werden zu Migration führen“ – Von Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1040419





